Budweiser: Politische Werbung beim Super Bowl?

Werbung und Politik, das geht nur in seltenen Fällen zusammen und in diesen seltenen Fällen nur selten gut. Der für den 51. Super Bowl produzierte Spot von Budweiser Born the Hard Way ist eine Ausnahme, die weltweit Beachtung und sogar Eingang in hiesige Nachrichtensendungen gefunden hat. Erzählt wird, wie Firmenmitbegründer Adolphus Busch nach Amerika übersiedelt, zunächst angefeindet wird und mit seiner Idee, Bier zu brauen, schließlich in St. Louis einen Partner findet. Der erste Teil einer Heldenreise: Der Held verlässt seine gewohnte Welt, um in einer anderen eine Aufgabe zu bestehen oder seine Vision zu erfüllen. Der Schwellenübertritt und das Bewähren in der anderen Welt ist mit großen Gefahren und Hindernissen behaftet – dass daraus im Falle Adolphus Busch eine Erfolgsgeschichte geworden ist, muss nicht mehr erzählt werden, das weiß jeder Amerikaner.

Auch wenn der Werbefilm vor dem Dekret Donald Trumps produziert wurde, wirkt er in der aktuellen Situation wie ein kritischer Kommentar: Wie können die USA eigentlich vergessen, dass sie ein Land der Einwanderer ist, und dass es eine Vielzahl an Beispielen wie Adolphus Busch gibt, die dieses Land geprägt haben (Levi-Strauss etc.). Und was ist eigentlich mit der Familie Trumpf – jetzt Trump?

Seine Herkunft oder die Herkunft der Familie zu vergessen, passt sehr gut in die Psychologie der Heldenreise – wer sich in der anderen Welt bewährt, erfolgreich und angesehen wird, steht immer in Gefahr, die gewohnte Welt, also seine Herkunft aus den Augen zu verlieren. Wozu braucht er sie noch? Dies kann aber fatale Konsequenten haben, denn nach den Mechanismen der Heldenreise, in denen sehr viel C.G. Jung steckt, erreichen wir nur eine „volle“ Persönlichkeit, wenn es uns gelingt, beide Welten in uns zu vereinen. Um den Charakter der USA muss man sich in dieser Hinsicht also Sorgen machen, wenn diese Gründungsmythen von der neuen Regierung verletzt werden.

Storytelling-Paradies: Der Super Bowl

Es ist für Storyteller immer ein Highlight, die für den Super Bowl produzierten Spots zu sichten. Sie sind oft originell und aufwändig produziert. Die Ausstrahlung kostet natürlich auch ein stolzes Sümmchen. Eine gute Übersicht der diesjährigen Filme finden Sie im Blog von Michael Ehlers.

Eine ähnliche Geschichte von Flucht und dem erhofften Neuanfang in de USA erzählt der Spot The Journey des Baumarktes 84 Lumber – er greift allerdings nicht die Historie, sondern die unmittelbare Situation mit den trumpschen Plänen einer großen Mauer zwischen den USA und Mexiko auf. Eine mexikanische Frau verlässt mit ihrer Tochter das Heimatdorf, um sich in die USA durchzuschlagen. Die ohnehin beschwerliche Reise endet vor einer gewaltigen Mauer – allerdings hat ein Handwerker eine Tür hineingezimmert, die sich leicht öffnen lässt: „Der Wille Erfolg, zu haben, ist immer willkommen hier.“ Berührend und großartig produziert.

 

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